Wie die geoökonomische Wende den Globalen Süden trifft
Risiken und Handlungsspielräume
Die geoökonomische Wende manifestiert sich in der zunehmenden Instrumentalisierung von Handelspolitik für geopolitische Zwecke. Vor allem Großmächte wie die USA, die Europäische Union und China nutzen Wirtschaftsbeziehungen, um strategische Ziele zu verfolgen. Was folgt aus diesen Entwicklungen für den Globalen Süden?
Jahrzehntelang galt wirtschaftliche Verflechtung als wechselseitig vorteilhaft. Staaten, die miteinander handelten, sollten nicht nur ihren Wohlstand mehren, sondern auch von stabileren politischen Beziehungen profitieren. Diese Annahme gerät jedoch zunehmend unter Druck: Lieferengpässe während der Corona-Pandemie, Russlands Krieg in der Ukraine und der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China haben gezeigt, wie verwundbar globalisierte Wertschöpfungsketten sind – zumal Washington und Peking verstärkt Maßnahmen ergreifen, die auch Drittstaaten gezielt politisch und wirtschaftlich unter Druck setzen. Die Auswirkungen für Länder des Globalen Südens sind derzeit noch in der Entwicklung und werden je nach Land verschieden sein. Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass die geoökonomische Wende in der Handelspolitik der Großmächte für viele Länder des Globalen Südens mehr Risiken als Chancen birgt.
Was ist die geoökonomische Wende und
wieso hat sie Folgen für Drittländer?
Die ökonomische und geopolitische Rivalität zwischen den USA und China wirkt sich besonders tiefgreifend auf die globale Handelsordnung aus. Bereits während der ersten Präsidentschaft Donald Trumps begannen die USA, ihre Lieferketten strategisch neu auszurichten – weg von China, hin zu politisch gleichgesinnten Partnerländern. Auch unter Joe Biden wurde dieser Kurs fortgesetzt. Trumps zweite Amtszeit markiert nun eine noch deutlichere Abkehr Washingtons vom Freihandel mit deutlich höheren Zöllen und andere Handelsbarrieren gegen traditionelle Verbündete und Handelspartner weltweit. Gleichzeitig nutzt Peking Exportkontrollen auf kritische Rohstoffe und Technologien als Druckmittel gegenüber den USA und der Europäischen Union und um seine eigene Unabhängigkeit zu sichern. In Kombination mit einer aktiven Industriepolitik und umfangreichen Subventionen hat China zudem Überkapazitäten in Sektoren wie Stahl und Elektrofahrzeuge aufgebaut, deren Exporte das Produktionswachstum in anderen Ländern hemmen (Kürzdörfer/Schütte 2025).
Vor diesem Hintergrund ist die Europäische Union (EU) bestrebt, ihre ökonomische Sicherheit zu stärken. Im Zentrum steht dabei das sogenannte „De-Risking“, also die gezielte Verringerung strategischer Abhängigkeiten, insbesondere von russischem Gas und chinesischen Schlüsseltechnologien. Die Verschlechterung transatlantischer Beziehungen verstärkt diese Bemühungen aber zusätzlich. Neben wirtschaftlicher Resilienz sollen neue geoökonomische Instrumente auch zur Erreichung klimapolitischer Ziele beitragen (Weinhardt/De Ville…