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Die Autorin

Clara Weinhardt ist Assistenz­professorin and der Universität Maastricht und Non-Residential Fellow am Global Public Policy Institute in Berlin.

Die Autorin

Nora Kürzdörfer ist Senior Researcher bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) und leitet das von der Stiftung Mercator geförderte MSC-­Geoökonomieprojekt „Beyond Lose-Lose“.

Wie die geoökonomische Wende den Globalen Süden trifft

Risiken und Handlungsspielräume

Die geoökonomische Wende manifestiert sich in der zunehmenden Instrumentalisierung von Handelspolitik für geopolitische Zwecke. Vor allem Großmächte wie die USA, die Europäische Union und China nutzen Wirtschaftsbeziehungen, um strategische Ziele zu verfolgen. Was folgt aus diesen Entwicklungen für den Globalen Süden?

Jahrzehntelang galt wirtschaftliche Verflechtung als wechselseitig vorteilhaft. Staaten, die miteinander handelten, sollten nicht nur ihren Wohlstand mehren, sondern auch von stabileren politischen Beziehungen profitieren. Diese Annahme gerät jedoch zunehmend unter Druck: Lieferengpässe während der Corona-Pandemie, Russlands Krieg in der Ukraine und der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China haben gezeigt, wie verwundbar globalisierte Wertschöpfungsketten sind – zumal Washington und Peking verstärkt Maßnahmen ergreifen, die auch Drittstaaten gezielt politisch und wirtschaftlich unter Druck setzen. Die Auswirkungen für Länder des Globalen Südens sind derzeit noch in der Entwicklung und werden je nach Land verschieden sein. Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass die geoökonomische Wende in der Handelspolitik der Großmächte für viele Länder des Globalen Südens mehr Risiken als Chancen birgt.


Was ist die geoökonomische Wende und wieso hat sie Folgen für Drittländer?

Die ökonomische und geopolitische Rivalität zwischen den USA und China wirkt sich besonders tiefgreifend auf die globale Handelsordnung aus. Bereits während der ersten Präsidentschaft Donald Trumps begannen die USA, ihre Lieferketten strategisch neu auszurichten – weg von China, hin zu politisch gleichgesinnten Partnerländern. Auch unter Joe Biden wurde dieser Kurs fortgesetzt. Trumps zweite Amtszeit markiert nun eine noch deutlichere Abkehr Washingtons vom Freihandel mit deutlich höheren Zöllen und andere Handelsbarrieren gegen traditionelle Verbündete und Handelspartner weltweit. Gleichzeitig nutzt Peking Exportkontrollen auf kritische Rohstoffe und Technologien als Druckmittel gegenüber den USA und der Europäischen Union und um seine eigene Unabhängigkeit zu sichern. In Kombination mit einer aktiven Industriepolitik und umfangreichen Subventionen hat China zudem Überkapazitäten in Sektoren wie Stahl und Elektrofahrzeuge aufgebaut, deren Exporte das Produktionswachstum in anderen Ländern hemmen (Kürzdörfer/Schütte 2025).

Vor diesem Hintergrund ist die Europäische Union (EU) bestrebt, ihre ökonomische Sicherheit zu stärken. Im Zentrum steht dabei das sogenannte „De-Risking“, also die gezielte Verringerung strategischer Abhängigkeiten, insbesondere von russischem Gas und chinesischen Schlüsseltechnologien. Die Verschlechterung transatlantischer Beziehungen verstärkt diese Bemühungen aber zusätzlich. Neben wirtschaftlicher Resilienz sollen neue geoökonomische Instrumente auch zur Erreichung klimapolitischer Ziele beitragen (Weinhardt/De Ville 2024). Um diese vielfältigen Herausforderungen zu bewältigen, ist die EU auf neue Partnerschaften angewiesen. Doch viele Länder im Globalen Süden begegnen der europäischen Handelspolitik mit Skepsis. Sie zweifeln daran, ob die EU tatsächlich die Standards einhält, die sie propagiert. Gleichzeitig steigt das Potenzial neuer wirtschaftlicher Allianzen, die auch ohne Beteiligung der EU oder der USA auskommen.


Risiken für den Globalen Süden im Schatten des US-chinesischen Handelskonflikts

Die Abkehr vom freien Handel und die damit verbundene „geoökonomische Fragmentierung“, also die Aufspaltung der Weltwirtschaft in politisch rivalisierende Handels- und Technologieblöcke, könnte laut Internationalem Währungsfonds zu hohen wirtschaftlichen Kosten, globalen Ungleichheiten und einem niedrigeren Lebensstandard führen (Shekhar u. a. 2023, 13). Erste Studien zeigen, dass Länder, die stark von globalem Handel abhängig sind und sowohl mit den USA als auch China wirtschaftlich verflochten, besonders vulnerabel sind (Attinasi u. a. 2023).

Die Folgen des Handelskonflikts zwischen Wash­ington und Peking treffen auch die Exporte von Drittländern – insbesondere, wenn diese in globalen Wertschöpfungsketten eingebunden sind. In diesen sind die einzelnen Fertigungsschritte arbeitsteilig über mehrere Länder verteilt: Komponenten werden in einem Land hergestellt, in einem anderen montiert, und schließlich auf dritten Märkten verkauft. Wie sich Störungen oder Unterbrechungen auf diese komplexen Prozesse auswirken können, zeigt das Beispiel Singapur: Die Wirtschaftsleistung des Stadtstaates ist stark vom Handel abhängig – der Wert aller Exporte und Importe beträgt zusammengenommen mehr als das Dreifache des Bruttoinlandsprodukts. Damit zählt Singapur zu den am stärksten global integrierten Volkswirtschaften. Besonders betroffen sind exportorientierte Sektoren wie die Halbleiterindustrie. Singapur ist ein zentraler Standort für die Weiterverarbeitung und den Export integrierter Schaltkreise, die häufig Teile aus den USA enthalten und in Endprodukten verbaut werden, die nach China exportiert werden. Zölle und Exportbeschränkungen zwischen den beiden Großmächten wirken sich daher unmittelbar auch auf Unternehmen in Singapur aus.

Die US-Zollpolitik unter Trump richtet sich insgesamt nicht mehr vorranging gegen China, sondern betrifft nahezu alle Staaten der Welt. Auch Länder im Globalen Süden, die weniger stark in globale Wertschöpfungsketten eingebunden sind, sehen sich zunehmenden Risiken aus Washington ausgesetzt. Für Kenia, die größte Volkswirtschaft Ostafrikas, gefährden hohe Zölle auf bestimmte Produkte – etwa aus der Textilindustrie – den direkten Zugang zum amerikanischen Markt. Damit sind auch zahlreiche kenianische Arbeitsplätze bedroht, die an diesen Exporten hängen. Ein zentrales Problem liegt in der geringen Diversifizierung: Die Textilindustrie ist stark auf den US-Absatzmarkt ausgerichtet, was es erschwert, den Verlust vom Marktzugang zu kompensieren. Hinzu kommt, dass die verschlechterten Handelsbedingungen das Investitionsklima beeinträchtigen – insbesondere aus Sicht US-amerikanischer Unternehmen, die Kenia bislang als attraktiven Produktionsstandort betrachteten. Die Lage verschärft sich durch hohe Staatsverschuldung. In Kenia fließt rund ein Drittel der Steuereinnahmen direkt in die Zinszahlungen (Weltbank 2025), was den Handlungsspielraum erheblich einschränkt – etwa bei neuen Staatsanleihen oder der Anwerbung ausländischer Investitionen. Diese werden oft intransparent verhandelt, was wiederum Korruption begünstigt. Länder mit schwachen Institutionen sind dadurch besonders anfällig für Schuldenkrisen. Die geoökonomische Wende kann diese strukturellen Probleme verschärfen, etwa durch steigenden Protektionismus, der den wirtschaftlichen Druck auf hochverschuldete Länder erhöht.

Chinesische Überkapazitäten werden in Washington und Brüssel besonders kritisch gesehen, erschweren jedoch auch den Ausbau lokaler Wertschöpfungsketten in anderen Regionen der Welt. So ist beispielsweise selbst Brasilien betroffen, obwohl es eines der wenigen Länder ist, das einen Handelsüberschuss gegenüber China erzielt. Auf der einen Seite profitiert die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas von umfangreichen Rohstoffexporten, etwa von Soja, Eisenerz und Mineralien. Auf der anderen Seite dominieren chinesische Industrieimporte den brasilianischen Markt, insbesondere im Bereich der Elektronik und IT-Branche. Viele dieser Produkte gelangen zu Dumpingpreisen in das Land, verdrängen lokale Produzenten und hemmen Investitionen in heimische Wertschöpfung. Die brasilianische Regierung reagiert mit handelspolitischen Maßnahmen – etwa Importzöllen, Anti-Dumping-Regeln und lokalen Produktionsanforderungen. Auch andere Länder im Globalen Süden, die weniger entwickelt sind, versuchen sich gegen die negativen Effekte chinesischer Überkapazitäten zu wappnen. Benin etwa hat einen Exportstopp für Cashewnüsse verhängt, um die lokale Verarbeitung zu fördern. Zimbabwe und Peru setzen sich ebenfalls für den Ausbau lokaler indus­trieller Kapazitäten ein. Zugleich sind diese Länder so wie viele andere im Globalen Süden aber auf Direktinvestitionen aus China angewiesen. Solange dies der Fall ist und sich globale Lieferketten strukturell auf den Export unverarbeiteter Güter aus dem Globalen Süden und den Import industrieller Fertigprodukte aus China stützen, bleibt der Aufbau einer robusten, eigenständigen Wertschöpfung in vielen Regionen eine große Herausforderung (Adachi 2025).


Die Europäische Union im Spagat zwischen wirtschaftlicher Sicherheit und Partnersuche

Auch die EU verfolgt in ihrer Außenwirtschaftspolitik zunehmend einen geopolitischen Kurs. Neue geoökonomische Instrumente sollen wirtschaftliche Sicherheit erhöhen, können aber unbeabsichtigt Länder mit niedrigem Einkommen belasten. Sie sind oft einseitig gestaltet und berücksichtigen kaum deren begrenzte Anpassungskapazitäten. So entsteht der Eindruck, dass die EU ihre Interessen auf Kosten Dritter durchsetzt – ein Risiko für ihr internationales Ansehen und für die dringend benötigte Diversifizierung wirtschaftlicher Partnerschaften, insbesondere mit Ländern im Globalen Süden.

Das „Screening“ von ausländischen Direktinvestitionen, der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) oder die Verordnung zur Entwaldung sollen faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und strategische Risiken für die EU reduzieren. Doch gerade Instrumente, die Nachhaltigkeitsziele mit dem Schutz europäischer Wettbewerbsfähigkeit verknüpfen, dürften für viele Entwicklungsländer wirtschaftlich belastender sein als für reichere Staaten (Weinhardt/De Ville 2024). CBAM etwa zielt darauf ab, „Carbon Leakage“ zu verhindern, wenn in der EU ansässige Unternehmen ihre Produktion in Länder mit weniger strenger Klimapolitik verlagern. Gleichzeitig sollen dadurch gleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber wirtschaftlichen Konkurrenten geschaffen werden, indem importierte Waren mit einer Abgabe belegt werden, die den in der EU geltenden CO2-Kosten entspricht. Die negativen Effekte dieses Mechanismus werden Länder mit niedrigem Einkommen jedoch deutlich stärker treffen als Länder mit mittlerem oder hohem Einkommen, wenn die ersten Zahlungen unter CBAM ab dem 1. Januar 2026 fällig werden. Mosambiks Aluminium-Exportsektor ist beispielsweise stark auf die EU ausgerichtet – etwa 97 % der Aluminium-Exporte gehen in die EU, und die Produktion verursacht einen deutlich höheren CO2-Ausstoß als der EU‑Durchschnitt, was zu entsprechend hohen CBAM-Zahlungen führt. Eine Lösung wäre eine differenzierte Behandlung einkommensschwächerer Länder, beispielsweise durch komplementäre finanzielle Unterstützung, Technologietransfer oder Investitionen in emissionsärmere Produktionsverfahren. Zwar hat die EU die Ausnahmeregeln für kleine und mittlere Unternehmen unter CBAM vereinfacht, doch bleiben umfassende Maßnahmen zur Unterstützung von Entwicklungsländern bisher aus.

Die fehlende Berücksichtigung der externen Effekte von Instrumenten wie CBAM birgt das Risiko, dass sich das Bild einer unfairen EU-Handelspolitik manifestiert. Laut einer aktuellen Umfrage der Körber-Stiftung halten 80 % der Befragten in Brasilien, 60 % in Südafrika und 56 % in Indien die Handelspraktiken der EU für ungerecht (Esteves u. a. 2025). Zwar versteht sich die EU traditionell als Verfechterin des freien und regelbasierten Handels, doch viele Länder im Globalen Süden zweifeln an diesem Image und fordern seit Langem, dass sie ihren eigenen Markt ebenso öffnet, wie sie es von anderen verlangt. Dies scheitert oft an den Mitgliedstaaten, die dem Druck mächtiger Interessengruppen, insbesondere im Agrarsektor, nachgeben (Kürzdörfer u. a. 2025). Der jüngst geschlossene Deal zwischen Brüssel und Washington, der zentrale Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) umgeht, kann als weiterer Beleg für doppelte Standards gewertet werden – gerade weil die EU sich sonst als Hüterin des multilateralen Handelssystems inszeniert. Für viele kleinere und weniger entwickelte Volkswirtschaften, die auf verbindliche, faire Regeln besonders angewiesen sind, wirkt das wie ein weiterer Bruch mit dem regelbasierten Multilateralismus. Statt die WTO zu umgehen, braucht es eine Reform (Parizek u. a. 2025), die die Interessen dieser Länder ernsthaft einbezieht und ihre Stimme im globalen Handel stärkt.


Die wirtschaftliche Bedeutung vieler Länder im Globalen Süden wächst

Die wachsende Rivalität zwischen den Großmächten führt dazu, dass Länder im Globalen Süden als alternative Handelspartner in den Fokus rücken. Kombiniert mit Rohstoffvorkommen und wachsender Wirtschaftsleistung wächst ihr Verhandlungsspielraum gegenüber den Großmächten (Narlikar 2025). So hat die EU zuletzt ihre Verhandlungen um Abkommen mit mehreren Ländern intensiviert. China ist ebenfalls weiter bemüht, seinen geopolitischen Einfluss über Infrastrukturprojekte auszubauen. Und auch die Integration regionaler Märkte schreitet vielerorts voran.

Trotz anhaltender Kritik an der europäischen Handelspolitik haben die Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Partnern wie Mercosur, Indien und Indonesien zuletzt an Fahrt aufgenommen, und konnten teilweise auch abgeschlossen werden. Da solche Verhandlungen jedoch oft viele Jahre in Anspruch nehmen – wie das fast zwei Jahrzehnte dauernde Abkommen mit den Mercosur-Staaten zeigt –, hat die EU 2025 ein neues, flexibleres Format eingeführt: die sogenannten „Clean Trade and Investment Partnerships“ (CTIPs). Diese sollen mehrere Ziele gleichzeitig erfüllen: die Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken, Lieferketten diversifizieren, Investitionen in saubere Energie, Technologien und kritische Rohstoffe fördern und so die grüne Transformation vorantreiben. Das erste CTIP wurde im März 2025 beim EU-Südafrika-Gipfel ins Leben gerufen und konzentriert sich auf Investitionen, saubere Energie, Qualifizierungsmaßnahmen und Technologie. Es ist eingebettet in die infrastrukturpolitische Global Gateway-Strategie der EU und umfasst ein Investitionspaket im Umfang von 4,7 Milliarden Euro. Das CTIP unterstützt auch die Ziele der Just Energy Transition Partnership, die 2022 mit Südafrika und weiteren Partnern gestartet wurde. Anders als klassische Freihandelsabkommen sind CTIPs nicht rechtlich bindend und sollen innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden – mit dem G20-Gipfel, der im November 2025 in Johannesburg stattfindet, als Zielmarke. Diese neue Herangehensweise verspricht mehr Flexibilität und Pragmatismus, darf jedoch nicht auf Kosten der Transparenz gehen. Bislang fehlt es an offizieller Kommunikation seitens der EU-Kommission, weshalb der Prozess weiterhin kritisch begleitet werden sollte.

Auch für China bleiben viele Länder im Globalen Süden zentrale Investitionsziele. Mit Initiativen wie der Belt and Road Initiative, einschließlich der digitalen Seidenstraße, finanziert Peking weltweit Wirtschafts- und Infrastrukturprojekte und verzichtet dabei auf die politischen Bedingungen, die westliche Geberländer häufig stellen. Peking nutzt die durch geopolitische Umbrüche entstandenen Unsicherheiten gezielt, um sich als verlässlicherer Partner zu positionieren. Der Rückzug amerikanischer Entwicklungsprogramme wie USAID hinterlässt beispielsweise eine wachsende Lücke, die China punktuell zu füllen versucht. Darüber hinaus spielt China eine zentrale Rolle im Süd-Süd-Handel, der zwischen 2007 und 2023 von 2,3 auf 5,6 Billionen US-Dollar gestiegen ist.

Letztlich wird der Handlungsspielraum von Ländern des Globalen Südens aber nicht allein durch die geoökonomische Wende bestimmt. Das Potenzial für Süd-Süd-Kooperationen steigt dank des wirtschaftlichen Wachstums in Afrika, Asien und Lateinamerika auch ohne die Beteiligung von Großmächten. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die African Continental Free Trade Area (AfCFTA), die 2019 ratifiziert wurde und 2021 in Kraft trat. Mit 54 teilnehmenden Ländern und einem Markt von rund 1,3 Milliarden Menschen ist sie die größte Freihandelszone der Welt nach Bevölkerungszahl. Ziel ist es, einen einheitlichen kontinentalen Markt für Waren und Dienstleistungen zu schaffen. Trotz großer Ambitionen steht die Umsetzung aber noch am Anfang und sieht sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, etwa unzureichender Infrastruktur, fehlenden direkten Handelsverbindungen zwischen afrikanischen Städten oder der mangelnden Einbindung des informellen Sektors. Dennoch bietet die AfCFTA enormes Potenzial, die wirtschaftliche Inte­gration voranzutreiben, Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen und die Eigenständigkeit des Kontinents zu stärken.

Neben den zahlreichen Risiken, die die geoökonomische Wende und die Konkurrenz zwischen den Großmächten für Länder des Globalen Südens mit sich bringt, entstehen auch weiterhin Spielräume, um eigene strategische Ziele in der Wirtschaftspolitik zu verfolgen. Die wachsenden wirtschaftlichen Kosten infolge des zunehmenden Protektionismus zwischen den Großmächten machen die Verfolgung dieser Ziele für viele Länder jedoch zugleich dringlicher – und schwieriger.


Der Beitrag von Clara Weinhardt stützt sich auf ein durch den Niederländischen Forschungsrat (NWO) gefördertes XS-Projekt (Budgetnummer 406.XS.24.02.048, SSH).


Literatur

Adachi, Aya 2025: The Global South in the Wake of China’s Economic Surplus. BKHS Perspectives 01; https://www.helmut-schmidt.de/fileadmin/BKHS_Perspectives_25_09_The_Global_South_in_the_wake_of_China_s_economic_surplus.pdf

Aiyar, Shekhar u. a. 2023: Geoeconomic Fragmentation and the Future of Multilateralism. IMF Staff Discussion Notes.

Attinasi, Maria-Grazia/Boeckelmann, Lukas/Meunier, Baptiste 2023: Friend-shoring global value chains: a model-based assessment. Economic Bulletin Boxes, 2; https://www.ecb.europa.eu/press/economic-bulletin/focus/2023/html/ecb.ebbox202302_03~d4063f8791.en.html

Esteves, Paulo u. a. 2025: Körber Emerging Middle Powers Report 2025. Körber Stiftung; https://koerber-stiftung.de/site/assets/files/46799/emerging_middle_powers_report_2025.pdf

Kürzdörfer, Nora/Schütte, Leonard 2025: Beyond Lose-Lose: Europe and the Global South in the Age of Geoeconomics. Munich Security Analysis 2; https://doi.org/10.47342/WPCD1222

Kürzdörfer, Nora/Valencia, Eduardo/Hernandez, Ariel 2025: Global Perspectives on Responsible Economic Statecraft. T4T Co-LABorate Series 1; https://doi.org/10.13140/RG.2.2.32649.04963, 22

Narlikar, Amrita 2025: When the Tables Turn: The Global South in an Era of Instability. ORF Issue Brief No. 812; https://www.orfonline.org/research/when-the-tables-turn-the-global-south-in-an-era-of-instability

Parizek, Michal/Weinhardt, Clara 2025: Revitalising and Reforming the World Trade Organization in an Age of Geopolitics. ENSURED Research Report 5: 1-32; https://www.ensuredeurope.eu

Weinhardt, Clara/De Ville, Ferdi 2024: The geoeconomic turn in EU trade and investment policy: Implications for developing countries. Politics and Governance, 12.

Weltbank 2025: Despite Improvements, Kenya’s Fiscal Path is Fragile Amid High Debt Vulnerabilities and Weak Revenue Growth; https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2025/05/27/despite-improvements-afe-kenyas-fiscal-path-is-fragile-amid-high-debt-vulnerabilities-and-weak-revenue-growth


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