Rechte Männer – liberale Frauen?
Zum Gender Gap in Einstellungen und Wahlverhalten
Deutsche und internationale Jugendstudien der letzten Jahre zeichnen das alarmistische Bild einer Generation, deren Männer immer konservativer und deren Frauen immer liberaler werden. Doch was ist dran an der These von rechtsaffinen Männern und liberalen Frauen?
Die rechte Jugend
Die Financial Times fand in einem breit diskutierten Beitrag im Februar 2024 Anhaltspunkte für einen Gender Gap in den Einstellungen junger Menschen in Deutschland. Sie sprach zudem von einer insgesamt gestiegenen Zustimmung für migrationsfeindliche Positionen unter den U30-Jährigen, auch in Deutschland.
Diese These griffen unterschiedliche Jugendstudien des Jahres 2024 auf. Die „Trend-Studie Jugend in Deutschland“ aus dem April 2024 sprach von einem deutlichen Rechtsruck unter den Befragten (Schnetzer u. a. 2024), und die Ergebnisse der EU-Wahl im Sommer 2024 schienen dies zu bestätigen. Dort hatte die AfD den stärksten Stimmenzuwachs unter Jungwähler*innen zu verzeichnen und lag knapp hinter der Union auf Platz 2 in der Altersgruppe der 16–24-Jährigen. Während drei Jahre zuvor bei der Bundestagswahl noch die Grünen und die FDP in der Gunst der Jungwähler*innen vorne gelegen hatten, gaben diese jetzt der CDU sowie der AfD ihre Stimme.
Vor allem die hohe Zustimmung zur AfD sorgte für eine anhaltende Debatte um rechte Orientierungen unter Heranwachsenden und insbesondere die Bedeutung von Männlichkeit in den Hinwendungen junger Männer in rechte Milieus. Dabei kam auch dies nicht ganz überraschend, schon in den Vorjahren sprachen Lehrkräfte und politische Bildner*innen in unterschiedlichen Teilen Deutschlands von einer Zunahme rechter Vorfälle in den Klassenzimmern und auf den Pausenhöfen. Was die Pädagog*innen schon früh als eine Entwicklung beschrieben, manifestierte sich jetzt in Wahlergebnissen und den Befragungen der Jugendstudien.
Auch rechtsextreme Parteien setzten in ihrer Ansprache gezielt auf die Gruppe junger Menschen. Sie versprechen geschlossene Grenzen und eine Daseinsvorsorge für das ‚eigene Volk‘ und wenden sich damit an eine Generation junger Menschen, die so pessimistisch wie kaum eine zuvor auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und die eigene Zukunft blickt.
Das Ringen um Geschlecht
Noch ein weiteres Motiv sticht hervor in rechtsextremen Ansprachen an Jungwähler*innen: das Versprechen geordneter, traditioneller Geschlechterverhältnisse – verpackt in plakative Männlichkeitsappelle. Rechte Politiker wenden sich in jugendaffinen Formaten an potenzielle Jungwähler mit der Aufforderung zur „Mannwerdung“ und besingen gegenüber Jungwählerinnen das Glück als Tradwife (vgl. Rösch 2025). Sie adressieren damit virulente Fragen im Ringen um die Ordnung von Geschlecht im 21. Jahrhundert.
Der MeToo-Bewegung und anderen international erfolgreichen feministischen Bewegungen ist es zuletzt…