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Die Autorin

PD Dr. Julia Schwanholz ist Politikwissenschaftlerin und Akademische Oberrätin an der Universität Duisburg-Essen.

Polarisierung vor Ort

Belastungsproben, Lösungsansätze für die lokale Demokratie und die Rolle der Schule

Polarisierung wird demokratiegefährdend, wenn aus Kontroversen Feindschaften werden. Online-Medien treiben dabei vor allem die wahrgenommene und affektive Polarisierung. Die lokale Ebene, besonders die Schule als analoger Begegnungs- und politischer Sozialisationsort kann ein wirksames Gegengewicht bilden. Dafür braucht es allerdings strukturell verankerte Demokratiebildung, die Medienkompetenz einschließt. Praktische Demokratieerfahrungen vor Ort und im direkten Miteinander können Polarisierung reduzieren und das Vertrauen in die Demokratie stärken.



Digitalisierung als besondere Herausforderung für die lokale Demokratie?

Die lokale Demokratie wird getragen von persönlichen Begegnungen im unmittelbaren Bezugs- und Lebensraum. Austausch von Menschen, die diskutieren, gestalten, auch mal streiten wollen, um am Ende (vielleicht) im Kompromiss die Lösung zu finden. Dieser gemeinsame Raum, über den eine starke Identifikation und vor-Ort-Bindungen entstehen, schwindet bzw. er verlagert sich vom Analogen ins Digitale. Parallel einsetzende Wandlungsprozesse zeigen, wie sich die Gesellschaft insgesamt – und konkret besonders in ihrem Informationsverhalten und Medienkonsum – verändert, wie sich gleichsam Medien immer mehr verändern. Wenn sich die Nachfrageseite (Gesellschaft als Öffentlichkeit) stark fragmentiert, während sich die Angebotsseite gleichzeitig immer mehr konzentriert, werden etablierte Informationswege zurückgedrängt oder gänzlich abgeschnitten. Als Erstes verschwinden auf lokaler Ebene auflagenschwache Formate. Hierzu zählen u. a. Lokalzeitungen. Sie waren allerdings über eine lange Zeit Hauptinformationsquelle für das Geschehen vor Ort und leisteten damit einen wichtigen Beitrag für lokale Wissensstände und Meinungsbildung. Heute sind an ihre Stelle Plattformen und Soziale Netzwerke getreten, die zunächst zusätzlich existierten, sich aber immer mehr zur Hauptinformationsquelle für weite Teile der Gesellschaft auswachsen.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei Kindern und Jugendlichen: Fast 80 Prozent der Deutschen unter 14 Jahren recherchieren mittlerweile im Internet, wenn sie Informationen suchen. Problematisch ist dies, wenn sie für verkürzende, vereinfachende und polarisierende Zuspitzung besonders empfänglich sind. Als ein zusätzlicher Verstärker zeigt sich die Entwicklung und mehr noch die wettbewerbsgetriebene Weiterentwicklung verschiedener Arten von Künstlicher Intelligenz (KI). Der rasante Prozess mündet jedoch unweigerlich in einen Systemkonflikt: Die Zentralisierung von enormer Datenmacht ist mit der Dezentralität von Demokratie nicht zu vereinbaren. In der Literatur wird dementsprechend aufgezeigt, dass und wie sich Autokraten die Technologie zunutze machen, um die liberale Demokratie abzuschaffen und eine KI-Diktatur zu errichten (Pfeffer u. a. 2026). Das spaltende Potenzial von KI wird die…

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