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Dr. Silvia Weko ist Postdokto­randin am Lehrstuhl für Nach­haltigkeitspolitik der FAU Erlangen-Nürnberg. Derzeit arbeitet sie im Projekt NFDI4Energy.

Neue Geoökonomie im Energiebereich

Big Tech und die digitale Infrastruktur für die Energiewende

Die „doppelte Transformation“ erfordert, dass Europa seine Energiesysteme sowohl dekarbonisiert als auch digitalisiert. Diese Digitalisierung impliziert jedoch, dass die Akteure im Energiesektor zunehmend auf die digitale Infrastruktur der US-amerikanischen Big-Tech-Unternehmen angewiesen sind und ihre Technologien auf deren Datenstruktur aufbauen. Welche Risiken sind mit dieser Abhängigkeit verbunden und wie wirkt sie sich auf die Verteilung der geoökonomischen Macht aus?



Warum Energiesysteme digitale Infrastrukturen benötigen

Der Übergang zu sauberen Energiesystemen ist eine enorme koordinative Herausforderung, deren Bewältigung durch die Digitalisierung erfolgt. Der Strom­bedarf wird rapide steigen und schwieriger vorherzusagen sein, da Sektoren wie Verkehr und Wärmeversorgung von fossilen Brennstoffen auf Strom umgestellt werden. Darüber hinaus muss dieser Bedarf so genau wie möglich auf das passende Angebot an erneuerbaren Energien abgestimmt werden, das von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde und von Saison zu Saison schwankt. Um diese Systeme effizient zu betreiben, müssen Daten zu Angebot und Nachfrage aggregiert und die Systemdynamik durch Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) wie Maschinellem Lernen (ML) vorhergesagt werden.

Viele Energieakteure verfügen jedoch nicht über die technischen Kapazitäten, um diese Art von Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Stattdessen wenden sie sich an Big-Tech-Unternehmen, um deren KI und digitale Infrastruktur zu nutzen. Dies ist Teil eines größeren Wandels in der Geschäftswelt: Anstatt ihre Datenanalysen vor Ort durchzuführen, nutzen Unternehmen die „Cloud-Dienste“ der Big-Tech-Unternehmen. Diese speichern und verarbeiten die Daten in ihren Rechenzentren und setzen dabei ihr eigenes technologisches Wissen ein. Google, Amazon und Microsoft (GAM) machen zusammen rund 60 % des globalen Marktes für die Bereitstellung dieser digitalen Infrastrukturen aus und bedienen damit Industrien auf der ganzen Welt.


Die digitale Infrastruktur von Big Tech: Problem der Nutzung

Warum ist diese Kooperation ein Problem? Man könnte argumentieren, dass eine effiziente Arbeitsteilung besteht: Die GAM-Konzerne bieten eine Dienstleistung an, in der sie sehr gut sind, und die Unternehmen, die diese Dienste nutzen, können sich mit mehr Zeit und Ressourcen auf andere Aktivitäten konzen­trieren. Das Problem ergibt sich jedoch daraus, dass die Cloud keine Dienstleistung, sondern eine Infrastruktur ist – ähnlich wie ein Eisenbahn- oder Stromnetz. Und diese Infrastruktur wird von den mächtigsten Unternehmen der Welt kontrolliert, ohne dass es nennenswerte Kontrollen gibt. Genau wie bei einem Stromnetz sind die Nutzer an diese Infrastruktur gebunden. Ein Ausstieg würde bedeuten, dass sie ohne das erforderliche Know-how eine eigene, sehr teure Infrastruktur aufbauen…

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