Konjunktur autoritärer Männlichkeiten
Aktuell sind wieder verstärkt dominanzorientierte Männlichkeitsvorstellungen und -muster unter (jungen) Männern
zu beobachten: antifeministische, sexistische und misogyne Artikulationen und damit einhergehende gewalttägige Handlungsmuster in Sozialen Medien und in Offline-Räumen.
Sie lassen sich als autoritäre Reaktionen auf dynamische, sich transformierende Geschlechterverhältnisse verstehen.
Ausgewählte ambivalente Studienbefunde
Die folgenden Einzelbefunde aus aktuellen Einstellungsforschungen sollen darauf hinweisen, dass Pluralisierungen von geschlechtlichen Lebensweisen auch Chancen für Jungen und (junge) Männer bedeuten, die zugleich von tradierten Vorstellungen und Verlustängsten konterkariert werden.
- Empirische Studien zeigen, dass „Mädchen und junge Frauen sehr viel offener dem Feminismus gegenüberstehen als Jungen und junge Männer“ (Simon/Birsl 2025, 160). Sie machen auch deutlich, dass maskulinistische bzw. antifeministische Aussagen keinen dezidierten Anstieg verzeichnen und nur von einem relativ kleinen Anteil von Männern volle Zustimmung erhalten (3 %, 4,3 %)bzw. ihnen zu 15,4 % bzw. 17 % mit „eher“ zustimmend begegnet wird (vgl. Simon/Birsl 2025). Als zentrales Ergebnis zeigt sich in ihnen aber ein verstärktes Mobilisierungspotenzial für antiliberale Gender-Diskurse, die auf naturalisierenden Differenzüberzeugungen beruhen, welche Männern und Frauen unterschiedliche gesellschaftliche Rollen zuweisen (vgl. den Beitrag von Simon in diesem Heft).
- Die Studie „Junge Männer in Deutschland“ kommt zu dem Ergebnis, dass Männer „mit und ohne internationale Geschichte“ gleichermaßen der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in hohem Maße positiv gegenüber eingestellt sind. Es wird jedoch auch deutlich, dass die Norm der Gleichberechtigung der unhinterfragten Norm des männlichen Ernährermodells gegenübersteht (Sabisch u. a. 2022, 36).
- Das Lebensgefühl junger Männer zwischen 19 und 29 Jahren scheint bei vielen jedoch „durchzogen von Unsicherheiten und Sorgen, vor allem […] mit massiven Ängsten und Verlusten“ (Wippermann 2024, 10).
- Maskulinistische Life Coaches, sogenannte „Manfluencer“ sowie (extrem) rechte Politiker und Content-Creators vermarkten sich auch im deutschsprachigen Raum auf Social-Media-Plattformen als Prototypen einer erfolgreichen Männlichkeit bzw. propagieren überlegene Männlichkeit. Sie adressieren mit ihrer antifeministischen und misogynen „Gefühlspropaganda“ (Wippermann 2024) Jungen und junge Männer und knüpfen dabei an die benannten Gefühlslagen an.
Die Befunde lassen sich dahingehend deuten, dass beschleunigte Transformationsentwicklungen und eine größere…
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