Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Der Rezensent

Jan Ruck forscht an der Universität Tübingen zur Geoökonomisierung der europäischen Industrie- und Infrastrukturpolitik.

Bücher zum Thema Geoökonomie

Die Geoökonomie, der Wettkampf um die Kontrolle ökonomischer Netzwerke und technologische Dominanz prägt zwischenstaatliche Rivalitäten. Der Aufstieg Chinas stellt demokratische Staaten vor die Frage, welche Auswirkungen die entstandenen wirtschaftlichen Abhängigkeiten in der Zukunft haben könnten. Schon die Lieferengpässe während der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie empfindlich nicht nur die europäische Industrie auf Störungen globalisierter Wertschöpfungsketten reagiert. Zudem schürt die aggressive Zoll- und Handelspolitik der zweiten Trump-Administration Sorgen vor der Instrumentalisierung wirtschaftlicher Netzwerke durch mächtige Staaten. Der Bedeutung der Geoökonomie trägt auch ein wachsendes Korpus an Literatur Rechnung, das sich mit der Beschreibung, Untersuchung und den möglichen Auswirkungen der neuen geoökonomischen Ordnung auseinandersetzt. Im Folgenden rezensiere ich vier Beiträge zu diesem Diskurs.


Milan Babić: Geoökonomie. Anatomie der neuen Weltordnung. Suhrkamp: Berlin 2025, 237 Seiten

Der in Amsterdam lehrende und forschende Politökonom Milan Babić hat den Übergang von der neoliberalen in die geoökonomische Ordnung in seinem Buch umfassend kartographiert. Babić wählt einen sehr systematischen Ansatz, wobei im ersten Kapitel die Veränderung der globalen Ordnung beschrieben wird und in den Folgekapiteln jeweils die (zusammenhängenden) Veränderungen des Staats, der Wirtschaft und der Politik. Im fünften und letzten Kapitel reflektiert der Autor die Implikationen für eine progressive Politik im Zeitalter der Geoökonomie.

Die Kernthese des Buchs ist, dass der Niedergang der neoliberalen Globalisierung als globaler Wirtschaftsordnung der 1980er bis 2010er Jahre nicht zu einer Auflösung der globalen Ordnung führt. Stattdessen wird diese transformiert, es entsteht eine neue, geoökonomische Ordnung. Das bedeutet nicht das Ende der Globalisierung, sondern dass wirtschaftliche Beziehungen zwischen Staaten strategisch neu geordnet werden. Ein Beispiel sind etwa Wertschöpfungsketten, die regionalisiert und diversifiziert werden, um strategische Abhängigkeiten zu verringern. Somit werden sie potenziell transnational vertieft und nicht aufgelöst. Zwar streben Staaten im geoökonomischen Zeitalter danach, wieder mehr Kontrolle über wirtschaftliche Prozesse zu erlangen, doch auch die politische und ökonomische Macht zentraler Unternehmen ist für Babić prägend für die neue Ordnung. Diese können von Staaten nicht ohne Weiteres instrumentalisiert und zu ihren Zwecken eingesetzt werden, sondern sind Akteure mit eigenen Interessen und Zielen. Hier zeigt sich eine zentrale Kontinuität zwischen der neoliberalen und der geoökonomischen Ordnung. Die Transnationalisierung brachte die Unternehmen in der neoliberalen Ordnung in eine machtvolle Position, die nun weiter fortbesteht.

Babić postuliert allerdings eine Rückkehr des Staates und der Politik. Das liegt…

Weiterlesen mit POLITIKUM+

Lesen Sie diesen und alle weiteren Beiträge aus Politikum im günstigen Abonnement.
Mit Ihrem Abonnement erhalten Sie die vier gedruckten Politikum-Ausgaben im Jahr sowie vollen Zugriff auf alle Politikum+ Beiträge des Online-Angebots.
Jetzt abonnieren
Sie haben Politikum bereits abonniert?
Jetzt anmelden