Polarisierung(en)
Politikum 3/2026
- herausgegeben von
- Martin Florack
- unter Mitarbeit von
- Nadja-Raphaela Baer, Silke Borgstedt, Christiane Eilders, Sebastian Jarzebski, Karl-Rudolf Korte, Henri Mütschele, Sarah-Michelle Nienhaus, Timo Reinfrank, Julia Schwanholz, Markus Wagner
Kaum ein Begriff prägt die Selbstbeschreibung demokratischer Gesellschaften gegenwärtig so stark wie der der Polarisierung. Er erscheint als Signatur unserer Zeit, in politischen Debatten ebenso wie in medialen Deutungen und sozialwissenschaftlichen Diagnosen. Doch je selbstverständlicher von einer „gespaltenen Gesellschaft“ die Rede ist, desto weniger klar wird, was damit eigentlich gemeint ist: ein messbares Auseinanderdriften von Einstellungen, eine verschärfte Wahrnehmung unterstellter Gegensätze, eine affektive Zuspitzung politischer Gegnerschaft oder ein diskursives Phänomen, das die beklagte polarisierte Spaltung selbst mit hervorbringt?
Dieses Politikum-Heft setzt der vorschnellen Diagnose eine genauere Betrachtung entgegen. Polarisierung ist kein einheitliches Phänomen, sondern ein Bündel miteinander verschränkter Prozesse, die auf unterschiedlichen Ebenen wirken. Sinnvoller als von der Polarisierung zu sprechen ist es daher, Polarisierungen in den Blick zu nehmen, ihre soziale, kulturelle, affektive, diskursive und institutionelle Ausprägung mit je eigener Logik. Die Autor:innen prüfen empirisch, ob sich Einstellungen tatsächlich voneinander entfernen - oder vor allem deren Wahrnehmung. Sie rekonstruieren, wie politische Akteure, Medien und digitale Öffentlichkeiten Gegensätze kommunikativ verschärfen. Sie analysieren affektive Dynamiken von Misstrauen und politischer Abwertung bis in die Mitte der Gesellschaft hinein. Und sie fragen, wie Parlamente, Wählermärkte und die lokale Demokratie diese Spannungen verarbeiten oder verstärkt unter Druck geraten.
Damit zielt das Heft auf eine entscheidende Klärung. Es trennt analytisch, was zu oft verschwimmt: legitimen demokratischen Streit von dysfunktionaler Polarisierung, die Systemvertrauen und Kompromissfähigkeit untergräbt. Für gesellschaftliche Akteure, politische Praxis und politische Bildung liegt darin der eigentliche Gewinn. Denn wer Demokratie verteidigen will, muss zuerst verstehen, was sie gefährdet und was sie ausmacht.
| Bestellnummer: | Pk3_26 |
|---|---|
| ISSN: | 2364-4737 |
| Reihe: | Politikum |
| Erscheinungsjahr: | 2026 |
| Seitenzahl: | 80 |
Markus Wagner
Polarisierung als Deutungskampf.
Gibt es Polarisierung(en) und wenn ja, wie viele?
Nadja-Raphaela Baer
Affektive Polarisierung: Wenn politische Differenzen zu emotionaler Distanz
werden
Beate Küpper
Polarisierung oder Normalisierung?
Demokratiedistante Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft
Silke Borgstedt
Jenseits der Spaltungsdiagnose.
Polarisierung als Resonanzphänomen in der gesellschaftlichen Mitte
Karl-Rudolf Korte
Polarisierung der Wählermärkte?
Mehr Mitte als Ränder
Christian Stecker
Der Polarisierung parlamentarisch begegnen.
Warum Konflikte besser mit flexiblen Mehrheiten statt mit Koalitionszwang und
Brandmauern entschieden werden sollten
Julia Schwanholz
Polarisierung vor Ort.
Belastungsproben und Lösungsansätze für die lokale Demokratie und die Rolle der
Schule
Sarah-Michelle
Nienhaus, Henri Mütschele und Christiane Eilders
Politische Akteure, Journalismus und Diskursdynamiken.
Wie öffentliche Debatten Polarisierung anheizen
Forum
Sebastian Jarzebski
Die Ersatzhandlung.
Was politische Kommunikation mit Polarisierung zu tun hat
Präzise benennen
statt dramatisieren
Interview mit Timo Reinfrank / Amadeu Antonio Stiftung